Vorgeschichte der Problemlage und aktuelle Ausgangssituation

Das IKS betreibt derzeit zwei eigenständige Master-Studiengänge für Kriminologie und bietet gleichzeitig Veranstaltungen für die Schwerpunkte ‚Cultural and Visual Criminology‘ sowie ‚Kriminalität und Kontrolle‘ innerhalb der Soziologie-Studiengänge an. Dennoch wird dem IKS derzeit lediglich eine feste W2-Professur zugesprochen, die an den Institutsleiter Prof. Scheerer gebunden ist, der 2016 pensioniert wird. Vor diesem Hintergrund wird erkennbar, dass die Personalstrukturplanungen des STEP 2012 (nähere Infos dazu hier) spätestens dann das IKS in eine prekäre Lage bringen werden.

Eine zweite Professur hat es bereits einmal in der Geschichte der Universität Hamburg gegeben. Ab 1972 existierte zunächst eine Professur innerhalb der Soziologie mit dem Titel ‚Abweichendes Verhalten und soziale Kontrolle‘ (Karl-Dieter Opp, später Klaus Eichner). Diese mittlerweile abgeschaffte W2-Professur wurde auf Grundlage einer Studierendeninitiative aus dem Wintersemester 2008/09 vom Fachbereich mit einer Finanzierung aus Studiengebühren wieder eingeführt. Die darauffolgend eingesetzte Berufungskommission entschied sich für den in Bremen lehrenden Henning Schmidt-Semisch, der jedoch nie auf diese Stelle berufen wurde. Eine offizielle und umfassende Begründung für diese Ablehnung steht bis heute aus.

Der Versuch einer erneuten Denomination (Anfang 2010) dieser unbefristeten W2-Professur wurde von der Universitätsleitung aufgehalten, mit dem Argument, dass die Hamburger Senatswahlen 2011 abgewartet werden sollten, bis Klarheit über die Situation der Studiengebühren, einer entsprechenden Ausfallfinanzierung sowie der weiteren staatlichen Finanzierung der Universität herrsche. Während dieser Zeit wurde diese Professur von Dr. Nils Zurawski vertreten.

Seit November 2011 liegen entsprechende Hochschulvereinbarungen zwischen dem Senat der Freien und Hansestadt Hamburg und der Universität Hamburg vor, womit der Universität finanzielle Planungssicherheit – durch eine Absicherung der Studiengebühren-Kompensation bis zum Jahr 2020 – zugesichert wird. Obwohl die notwendigen Finanzierungsmöglichkeiten gegeben sind, wird die Denomination der Professur aus für uns nicht ersichtlichen Gründen nicht weiter verfolgt. Dies ist für uns umso unverständlicher, als dass die Besetzung dieser Professur die zur Zeit reichlich angespannte Lage hinsichtlich der Breite des kriminologischen Seminarangebots erheblich verbessern würde.
Im weiteren Verlauf ließ das Dekanat der WiSo-Fakultät der Universität Hamburg verlauten, dass, wenn der Fachbereich Sozialwissenschaften eine solche W2- Professur ausschreiben möchte, eine Neubesetzung nur durch eine Umwidmung einer bereits bestehenden Professur möglich sei. Die Denomination des Fachbereiches Sozialwissenschaften gemäß des STEP sieht für einen Zeitraum von fünf Jahren die Ausschreibung einer W1-Professur für ‚Soziale Probleme und soziale Kontrolle‘ und einer W2- Professur für ‚Arbeits- und Industriesoziologie‘ vor.

Im Juli 2011 wurde auf dieser Basis die freiwerdende W2-Professur (Prof. von Lüde) des wirtschaftssoziologischen Schwerpunktes ‚Wirtschaft und Betrieb‘ per einstimmigem Beschluss des Fachbereichsvorstands in die devianzsoziologische Professur ‚Sicherheit, soziale Konflikte und Regulation‘ umgewidmet. Die W1-Professur für ‚Soziale Probleme und soziale Kontrolle‘ wurde umgewidmet zur wirtschaftssoziologischen Stelle ‚Soziologie insbesondere Wirtschaftssoziologie und institutioneller Wandel‘. In Folge dessen erfolgte also neben der Umwidmung gleichzeitig eine Umgewichtung in den Ausschreibungen der devianzsoziologischen Stelle (bisher W1), zu einer W2-Professur und der wirtschaftssoziologische Stelle als W1- Professur (bisher W2). Dem einstimmigen Beschluss des Fachbereichsvorstand folgend, sollte eine Berufungskommission eingesetzt werden, deren Einsatz indes vom Dekanat bis heute nicht umgesetzt wurde. Die Gründe für dieses zögerliche Verhalten wurden den Beteiligten bislang nicht in adäquater Weise transparent gemacht. Das zaghafte Auftreten des Dekanats in diesem Kontext ist für uns überaus unverständlich, da sich das kriminologische Lehrangebot – wie bereits betont – immer mehr einen für die Studierenden nicht mehr akzeptablen Zustand erreicht.
Im September 2011 führte ein vom Dekanat eingeleiteter Konsens zu einer neuen Ausrichtung der freiwerdenden W2-Professur des wirtschaftssoziologischen Schwerpunktes mit der Widmung ‚Soziologie der Wirtschaft unter der besonderen Berücksichtigung illegaler und informeller Ökonomien‘. Da die Verhandlungen hinsichtlich der Ausschreibung weiterhin andauern, ist es den Verantwortlichen der Universität bislang nicht gelungen, eine Berufungskommission einzuberufen und damit eine rasche Neubesetzung der Professur zu gewährleisten. Für das kommende Sommersemester bedeutet dies, dass die W2-Professur weiter an den wirtschaftssoziologischen Schwerpunktbereich ‚Wirtschaft und Betrieb‘ gebunden ist und zu 4/9 mit Prof. von Lüde besetzt ist. Eine Besetzung der verbleibenden 5/9 dieser Professur kann nur vor dem Hintergrund einer wirtschaftssoziologischen Ausrichtung geschehen.
Angesichts dessen ist die Sicherstellung der Lehre im devianzsoziologischen Schwerpunkt des Studiengangs Soziologie nicht gegeben. Stattdessen ist hierfür eine – vom Lehrdeputat her ’schlankere‘ – Gastprofessur ausgeschrieben worden, die nun von Dr. Nils Zurawski besetzt wird.

Da das Volumen dieser Gastprofessur geringer ist als die zuvor von Dr. Nils Zurawski vertretene W2-Professur, ist das kommende Sommersemester 2012 durch ein reduziertes Seminarangebot gekennzeichnet. Dieser Engpass wirkt sich insofern verschärfend auf die studentischen Situation aus, als dass dadurch nicht nur die Anzahl der angebotenen Seminare reduziert werden muss, sondern zusätzlich auch die Möglichkeiten begrenzt werden, thematisch einschlägige Qualifikationsarbeiten zu verfassen. Viele Studierende klagen deshalb über mangelnde Planungssicherheit und unausgewogene Betreuungsverhältnisse.

Im Wintersemester 2012/13 kann diese Übergangsregelung jedoch nicht fortgeführt werden und in Verbindung mit der fehlenden Denomination für eine Professur bedeutet dies, dass die Lehre für die devianzsoziologischen Schwerpunkte der Soziologie-Studiengänge nicht gesichert ist und der M.A. ‚Internationale Kriminologie‘ nur mit einem begrenztem Seminarangebot fortgeführt werden muss. Für eine zeitnahe Berufung auf eine solche Stelle müsste diese indes bereits längst ausgeschrieben und eine Berufungskommission einberufen sein.

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